Die regelmäßige Betrachtung der Chancen und Risiken einer Unternehmung ist nicht nur zentrales Frühwarnsystem für die Existenzsicherung, sondern entscheidet über Kreditwürdigkeit und Versicherbarkeit einer Unternehmung. Während in der Vergangenheit ökonomische Risiken im Zentrum standen, werden bereits seit einigen Jahren verstärkt auch ökologische, soziale und Governance-Aspekte integriert. Heute ist klar, der Klimawandel wird zum Hauptmarktrisiko der meisten Lebensmittelunternehmen. Diese machen Maßnahmen zur Anpassung der Rohstofferzeugung an neue Klimabedingungen notwendig. Zudem werden Maßnahmen verlangt Klimaschutz umzusetzen, um dem Klimawandel vorzubeugen, vor allem durch die Reduktion oder Vermeidung von Treibhausgasemissionen.
Die Nachhaltigkeitsexpertinnen und Nachhaltigkeitsexperten ökologischer Lebensmittelverarbeitungsunternehmen fordern daher sowohl von der Bundesregierung als auch von der europäischen Kommission eine die komplette Wertschöpfungskette übergreifende Strategie, um das Risiko „Klima“ in den Griff zu bekommen.
Was sind die größten Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel:
- Ernteausfälle und Produktionsrückgänge
- Vitalität der Lebensmittelpreise (Klima-Inflation)
- Unterbrechung der Lieferketten
- Sinkende Nahrungsmittelqualität und Nährwertverlust
- Verfügbarkeit von Energie und steigende Energiekosten für Produktion und Agrarfahrzeuge
- Neue Risiken, wie steigendes Risiko von Mykotoxinen in Lebensmitteln und Begünstigung der Verbreitung von Krankheitserregern
- Verlust von Anbauflächen und Artenvielfalt
- Wasserknappheit
Zentrale Herausforderungen bei Klimaanpassung und Klimaschutz:
- Lange Amortisierungszeiten und hohe Vorabkosten für klimaschonendere Prozesse, Anlagen, Energieerzeugung
- Mangel an belastbaren Daten zur verlässlichen Bewertung von Resilienzmaßnahmen (Return of Invest)
- Fehlender direkter Cashflow: Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen generieren oft keinen neuen Umsatz, sondern verhindern zukünftige Verluste durch Ernteausfälle oder Lieferstopps – der vermiedene Schaden lässt sich dabei schwer beziffern
- Positive Externalität: Investitionen einzelner, Nutzen für viele
Was sind notwendige Maßnahmen:
- Vielfalt erhalten: Kleine und mittlere Strukturen sind resilienter
- Sie können schwankende Qualitäten besser verarbeiten
- Dezentrale Strukturen minimieren darüber hinaus das Ausfallrisiko durch die Unterbrechung von Lieferketten
- Sie fördern einen gesunden Wettbewerb und verhindern spekulative Preisschwankungen
- Verbot von Patenten mit Auswirkungen für die Lebensmittelversorgung
- Transparenz und Verantwortung entlang der Lieferkette
- Langfristige Lieferbeziehungen sind die Basis für Investitionen in den mittelfristigen Erhalt der Lieferfähigkeit und in notwendige Klimaanpassungsmaßnahmen und Klimaschutz
- Verantwortung für die Auswirkungen des unternehmerischen Handelns bis in die tiefe Lieferkette ist notwendig, um Externalisierungseffekte zu vermeiden
- Ausbau der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen
- Investitionen in Klimaanpassung sind meist langfristig orientiert. Gerade Kleinbauern können mangels Kapitaldecke längere Amortisationszeiten oft schlecht finanzieren und überbrücken. Hierzu bedarf es besserer Finanzprodukte und Unterstützung durch Beteiligung der Wertschöpfungskette. Anpassungsmaßnahmen sind nicht allein unternehmerischer Invest, sondern vielmehr gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es braucht einen bevorzugten Zugang zu finanziellen Mitteln, getragen von allen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette, der es jederzeit möglich macht, notwendige Maßnahmen niedrigschwellig umzusetzen.
- Neue Finanzierungsmodelle etablieren, um einen Zugang zu gemeinsamen Finanzierungen der an der Wertschöpfung beteiligten Unternehmen zu schaffen
- Ausbau der Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen
- Auch die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen sind notwendig, um das Risiko „Klima“ in den Griff zu bekommen mit dem Ziel dem Klimawandel entgegenzuwirken, das 1,5°C-Ziel im Fokus zu halten und die Notwendigkeit von Anpassungsmaßnahmen einzudämmen. Auch hier sollten gesamtgesellschaftlich getragene Finanzierungsmodelle etabliert werden.
- Ausbau der Forschung
- Forschung zur monetären Bewertung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen auch im Kontext langfristiger Investmentstrategien
- Forschung zu notwendigen Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen und möglichen Finanzierungsmodellen
Neben den Klimarisiken werden auch weitere Bereiche, wie der Verlust von Biodiversität, die Risiken sehr kurzfristig massiv erhöhen. Es ist daher wichtig, dass neben einer intensiven Szenario-Analyse im Bereich Klima auch weitere Bereiche beleuchtet werden. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Hauptenabler für den Wandel identifiziert und zu Katalysatoren des Wandels werden.