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AöL fordert eine gesamtgesellschaftliche Strategie zum Klimarisikomanagement

Bad Brückenau, 09. Juni 2026. Der Klimawandel wird heute zum unternehmerischen Risikofaktor Nummer 1 in der Lebensmittelbranche und zur größten Bedrohung für unsere Ernährungssicherheit. Das aktuelle Factsheet von Martin Häusling MdEP zeigt: Wir brauchen jetzt „Anpassung statt Intensivierung“. Ernteausfälle, Dürreperioden und sinkende Nährstoffgehalte in Grundnahrungsmitteln machen Klimaänderungen zum großen Marktrisiko. Notwendige Maßnahmen müssen entlang der gesamten Wertschöpfungskette angegangen werden. Die Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller (AöL) plädiert für einen Austausch zwischen Ernährungswirtschaft und Politik, um gemeinsam ins Handeln zu kommen.

„Im Rahmen der Wesentlichkeitsanalyse stellt sich für die meisten unserer Mitgliedsunternehmen ‚Klima‘ als Hauptrisikofaktor heraus“, so Pia Kissinger, Koordinatorin der Arbeitsgruppe Net Zero in der AöL. Die Nachhaltigkeitsexpertinnen und -experten ökologischer Lebensmittelverarbeitungsunternehmen fordern daher von der Bundesregierung und der EU-Kommission eine wertschöpfungskettenübergreifende Strategie, um das Risiko „Klima“ in den Griff zu bekommen.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind mittlerweile spürbar. Massive Ernteausfälle in Kaffee- und Kakao-Anbaugebieten und damit verbundene Preisexplosionen am Regal sind nur Vorboten eines Wandels, der zunehmend weniger abstrakt wird. Aber auch die europäischen Produzentinnen und Produzenten geraten durch klimawandelbedingte Dürreperioden, Starkregen und Schädlingsbefall unter Druck. Neben akuten Ernteausfällen durch Starkregenereignisse machen sich auch langfristige Effekte wie sinkende Protein- und Mineralstoffgehalte bemerkbar, verursacht durch steigende CO2Werte. So lagern für die Welternährung existentielle Getreidepflanzen wie Reis oder Weizen bei steigendem CO2Gehalt weniger Eisen und Zink an[1]. Ohne Anpassungsmaßnahmen steht die Ernährungssicherheit auf dem Spiel.

„Viele unserer Mitglieder sind angetreten, um ökonomische, ökologische und soziale Aspekte im Unternehmertum zusammenzuführen. Sie sind in engem Austausch mit ihren Lieferantinnen und Lieferanten, beraten und unterstützen diese bei der Umsetzung von Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen“, so Pia Kissinger. Ergebnisse der Klimarisikoszenarien der Mitgliedsunternehmen zeigen jedoch massiven Anpassungsbedarf. Dieser lässt sich aus den schrumpfenden Margen, die aus globalen Krisen und fortschreitenden Konzentrationsprozessen resultieren, nicht finanzieren.

„Neben sich kurz- bis mittelfristig amortisierenden Maßnahmen, wie lokale Energiegewinnung in der nachgelagerten Kette, sind insbesondere langfristige Maßnahmen zur Stärkung der Resilienz der tiefen Lieferkette nicht allein aus der Erzeugung und Verarbeitung zu finanzieren“, so Gisbert Braun, Klimaexperte bei Martin Bauer und Sprecher der Arbeitsgruppe Net Zero. „Es braucht finanziellen Spielraum, um strategische Entscheidungen umzusetzen.“

Die AöL-Nachhaltigkeitsexpertinnen und -Experten fordern daher einen Round-Table der Lebensmittelwirtschaft zur strategischen Finanzierung notwendiger Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen zur Eindämmung von Risiken des Klimawandels und zum Erhalt der Ernährungssicherheit.

„Es liegt in der Verantwortung von Politik und Ernährungswirtschaft Risiken zu minimieren und eine Strategie zu entwickeln, wie die Menschen in Deutschland, aber auch weltweit zukünftig ernährt werden sollen“, so Matthias Beuger, Geschäftsleitung nationale Netzwerke bei der AöL. „Die Mitgliedsunternehmen der AöL stellen sich ihrer Verantwortung.“

Mehr dazu im AöL-Positionspapier: Finanzierung von Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel

[1] Wissenschaft im Trend: Mehr CO2 verursacht nährstoffärmere Nahrungsmittel | Nachrichten | CORDIS | Europäische Kommission