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AöL-Position zur Herstellerkompetenz für ein resilientes Ernährungssystem

Bad Brückenau, 15.09.2026. Die Bio-Branche wächst wieder, gleichzeitig nehmen die Herausforderungen für die Lebensmittelwirtschaft zu: Klimawandel, schwankende Rohstoffverfügbarkeiten, Ernteausfälle und steigende Anforderungen treffen auf hohen Preis- und Effizienzdruck. Die Assoziation ökologischer Lebensmittelherstellerinnen und -hersteller e.V. (AöL) fordert deshalb mehr Aufmerksamkeit für eine Kompetenz, die für die Resilienz des Bio-Systems entscheidend ist: die Produktionskompetenz der Herstellerinnen und Hersteller.

„Die Zukunft der ökologischen und nachhaltigen Lebensmittelwirtschaft entscheidet sich nicht allein auf dem Acker und nicht allein im Supermarkt. Sie entscheidet sich dazwischen“, so Anne Baumann, geschäftsführende Vorständin der AöL. Herstellerinnen und Hersteller müssen landwirtschaftliche Rohstoffe verstehen, mit natürlichen Schwankungen umgehen und daraus sichere, hochwertige und marktfähige Lebensmittel entwickeln.

Wenn die Natur nicht standardisiert liefert

Erntemengen, Eiweißgehalte, Feuchtigkeiten, Größen oder sensorische Eigenschaften verändern sich von Jahr zu Jahr. Hinzu kommen Wetterextreme und klimabedingte Veränderungen. Mit diesen Schwankungen professionell umzugehen, sei eine ureigene Herstellerkompetenz.

„Bio-Produktion bedeutet mehr als die Einhaltung eines Labels. Sie braucht Erfahrung, technisches Wissen und ein tiefes Verständnis für ökologische Rohstoffe, Verarbeitung und Bio-Recht“, so Liane Maxion, AöL-Vorständin und CEO der Naturata AG. Diese Kompetenz lasse sich nicht kurzfristig einkaufen oder durch Zertifikate ersetzen.

Effizienz oder Resilienz?

Daraus ergibt sich ein grundsätzlicher Konflikt in der Wertschöpfungskette: Der Markt verlangt Effizienz, Standardisierung und wettbewerbsfähige Preise – die ökologische Produktion braucht Flexibilität und den Umgang mit Unsicherheit.

Die AöL warnt davor, Risiken und Verantwortung immer weiter an die Herstellerinnen und Hersteller weiterzugeben. Rohstoffschwankungen und Ernteausfälle seien Teil der landwirtschaftlichen Realität und dürften nicht ausschließlich zum Problem von Landwirtschaft und Verarbeitung werden.

„Wenn der Markt ausschließlich über kurzfristige Preise, standardisierte Ausschreibungen und austauschbare Produkte gesteuert wird, gehen genau jene Kompetenzen verloren, die wir für die Transformation des Ernährungssystems brauchen”, so Baumann.

Die zentrale Forderung der AöL lautet deshalb: Herstellerinnen und Hersteller müssen wieder stärker als eigenständige Kompetenzträger der Wertschöpfungskette verstanden werden – nicht nur als Lieferanten.

Mehr dazu im AöL-Positionspapier.