Erneuerung – Ideen zu Weihnachten

Erneuerung – Ideen zu Weihnachten

hand of a farmer nurturing a young green plant with natural green background / Protect and love nature concept

Die Welt ist im ständigen Wandel und doch ist in allem ein rhythmisches Wiederholen erkennbar. So wie es uns das Weihnachtslied „Alle Jahre wieder…“ verheißt.  Bei uns war es  die Nachfolgefrage und die Erneuerung der inhaltlichen Ausrichtung unserer Branche, die uns zur Herbsttagung bewegte. Die Beschäftigung mit der Zukunft führte uns zu Fragen, wie dieser: „Wie wird der Generationenwechsel gelingen?“ Einige Unternehmen haben schon über viele Generationen Erfahrungen gesammelt. Für andere ist es ein erstes Mal: Vertrauen – Überantworten – Loslassen. Und es ist immer auch eine individuelle Aufgabe.

Auch beim Thema der inhaltlichen Erneuerung stellen sich Fragen. Die Öko-Pioniergeneration hat die Welt nicht zu Ende gedacht, aber sie hat wichtige Impulse gesetzt, viel gestaltet und die Menschen sensibel gemacht, z.B. für Umweltthemen. Aus meiner eigenen Perspektive der 80iger Jahre war ich nicht sicher, ob es gelingen wird, gegen all die Widerstände das Thema Bio-Lebensmittel so erfolgreich voranzubringen. Nein ich war nicht sicher. Und natürlich bin ich mir voll bewusst, dass doch alles viel zu lange dauert. Denn das zwei Grad Ziel für den Klimawandel ist perdu; der Verlust an Artenvielfalt hat sogar Fahrt aufgenommen.

Was braucht es für Erneuerung? Was sind die Voraussetzungen, um gestaltungsfähig zu sein?

Balance schaffen und Vielfalt fördern

Auf unserer Herbsttagung hat ein Pionier-Unternehmer erzählt: „Die Bio-Bewegung war keine einheitliche Bewegung, wie heute in der Rückschau oft kolportiert wird. Da waren viele Strebrichtungen, Ideen und auch eine gehörige Portion Chaos. Daraus haben sich dann verschiedene funktionale Projekte geformt. Nur im Nachhinein erscheint das so klar.“ Da war aber auch der Jungunternehmer, der mich bat: „Ich habe noch keine inhaltliche Vision, ich bin in der Orientierung. Bitte lass mir und lass uns noch Zeit“. Die Balance zu schaffen, dass das eine getan ist, aber das Zukünftige noch in der Gestaltung ist. Das muss zugelassen werden.

Parallel dazu diskutieren wir mit Ihnen in unseren Arbeitskreisen über Vielfalt, z. B. in der Frage des Saatgutes. Wir beobachten dabei zwei Strebrichtungen. Auf der einen Seite gibt es die Züchtungsbemühungen in Richtung der immer genauer definierten und „leistungsfähigeren“ Sorten, die von immer weniger Unternehmen der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Wir diskutieren darüber, welche neuen molekularbiologischen Methoden helfen, die Zuchtziele effektiver zu erreichen und die Sorten auch an die Bedingungen der Öko-Landwirtschaft anzupassen. Auf der anderen Seite diskutieren wir unter dem Stichwort „Biodiversität“ und „heterogenes Material“ die Bedeutung der biologisch, genetischen Vielfalt für die Stabilität von Ernährungssystemen.

Die Natur lehrt uns: Vielfalt ist der Garant für Anpassungsfähigkeit und damit fürs Überleben. Für das Thema Saatgut hat diese Betrachtung wichtige Folgen. Nicht die „genetische Spezialisierung und Verengung“, sondern die Heterogenität der Sorten ist Grundlage für ihre Anpassungsfähigkeit – und damit die Förderung von Vielfalt.

Wenn man diese Gedanken weiterdenkt, wird schnell klar, dass diese Polarität in der Züchtungspraxis nach der richtigen Balance zwischen „Spezifität“ und „Heterogenität“ ruft. Nach Jahrzehnten der Verengung ist es dringend notwendig, beim Saatgut wieder mehr Heterogenität zuzulassen und diese zu fördern.

Kreativität nutzen und Heterogenität zulassen

Doch was bedeutet das für uns? Überträgt man diese Überlegungen zu Balance und Vielfalt, so ist das passende Bild auf der strukturellen, wirtschaftlichen Ebene ein offener, marktwirtschaftlicher Prozess, der die Vielfalt der wirtschaftlichen Akteure und Marktzugänge erlaubt und sich vor zu starker Verengung und vor Monopolisierungstendenzen scheut.

Der Grund ist sehr einfach: Wenn wir die menschliche Kreativität und Intelligenz optimal nutzen wollen, dann muss man dafür sorgen, dass die wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten möglichst nicht beschränkt werden. Das Stichwort heißt hier: „Heterogenität zulassen und fördern“. Die Balance, die der Staat (Bürger) hier finden muss, verbirgt sich in der Frage, welche Regeln notwendig sind, um den Wirtschaftsakteuren die Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, die in der Summe dann zu den gesellschaftlich gewollten oder notwendigen Entwicklungsprozessen führen und die Kreativität der Menschen möglichst fördern können.

Nun komme ich zurück auf die Eingangsfragestellung. Auch die Bio-Branche hat 30 Jahre Spezifizierung hinter sich. Dazu gehören ein immer detaillierteres Recht und immer genauere Richtlinien, nach dem Motto: „Wir haben ja die ‚strengsten‘ Standards“. Wenn wir in der Sache weiter kommen wollen, braucht es eine Öffnung für neue Ideen. Zukunftsräume, die Freiheit in Strebrichtungen und Umsetzungen bewusst zulassen und die gleichzeitig die Experimentierfreude von Akteuren der Lebensmittelwirtschaft fördern, um die volle Kreativität freizusetzen. Das ist die Voraussetzung für Ernährungssysteme, die sich der  Herausforderung der Nachhaltigkeit wirklich stellen und damit  Zukunftsfähigkeit garantieren.

Die Pioniergeneration muss die notwendige Freiheit als Voraussetzung für Weiterentwicklung zulassen. Neue Wege bergen immer Chancen und Risiken. Angst vor Scheitern ist kein guter Ratgeber, sondern die Lust am Neuen und am Erfolg ist der richtige Antrieb. Auch hier geht es um Rhythmen und um das Finden der rechten Balance. Die junge Generation ist in der Rolle, diese Räume mit Ideen und Enthusiasmus zu füllen. Ich bin neugierig auf diese Entwicklung. (Alexander Beck) +++

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